Ortsgemeinde: Bauarbeiter entdecken zufällig Geheimeingang

Burgschwalbach, den 09.08.2018

Besichtigung Bei Sanierung der Burg Schwalbach sind unerwartete Funde ans Licht gekommen – Experten informieren über Baufortschritt. Von unserer Redakteurin Sabrina Rödder

Burgschwalbach. Wie weit ist die Sanierung an der Burg in Burgschwalbach vorangeschritten? Welche Arbeiten stehen noch aus? Und welche neuen Erkenntnisse haben die bauhistorischen Untersuchungen ergeben? Um diese Fragen zu beantworten, hatte Ortsbürgermeister Ehrenfried Bastian am Dienstag diverse Vertreter des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) und der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz in die 650 Jahre alten Gemäuer eingeladen.

Es ist eine besondere Burg – das betonte Jutta Hundhausen vom LBB in ihrem Vortrag gleich mehrmals. Das liege nicht zuletzt an dem streng achsensymmetrischen Grundkonzept und an der imposanten Ansicht. Die Bauforscherin machte auch darauf aufmerksam, dass die Burg nie im Fokus von kriegerischen Auseinandersetzungen stand. Vieles sei noch gut erhalten: so zum Beispiel die eisernen Halterungen der Fahnenstangen, wo Graf Eberhard V. von Katzenelnbogen, der die Burg erbaute, die Fahne Katzenelnbogens wehen ließ. Besonders ist außerdem, dass der Graf die Fertigstellung der Burg nach gut 30 Jahren noch selbst erleben durfte. Dank der wachen Augen der Bauarbeiter, die seit 2011 die Burg sanieren, kamen laut Jutta Hundhausen auch bislang unentdeckte Schätze ans Licht. Sie entdeckten einen Geheimeingang, der wohl als Fluchtweg hätte genutzt werden können, wenn sich Feinde genähert hätten. Auch ein Backofen und Abflussrohre gehören zu den Funden.

Innerhalb der acht Jahre andauernden Sanierung konnten Feuchtschäden behoben und Hofflächen wiederhergestellt werden. Auch die Oberflächen an der Kapelle wurden verfugt, und die Sanierung des Bergfrieds konnte so weit abgeschlossen werden. Die Hang- sowie Stützmauern und der Torbogen konnten statisch gesichert werden. Mit Abschluss des jetzigen Bauabschnitts, der noch andauert und unter anderem den Austausch von Lehmmauerbereichen beinhaltet, sind es laut Ortsbürgermeister Ehrenfried Bastian 8 000 000 Euro, die das Land in die Burg investiert hat.

Aktuell in Planung ist der fünfte Bauabschnitt, zu dem die Medienversorgung und die Medienentsorgung der Burg zählen. Damit sind etwa Wasser, Abwasser, Löschwasser, Strom, Telekommunikation und Gas gemeint. Die Arbeiten gingen zeitlich gesehen gut voran, waren sich die Experten einig. Wann mit der kompletten Fertigstellung gerechnet werden könne, darauf wollten sie sich allerdings nicht festlegen.

Dr. Angela Kaiser-Lahme, Direktorin der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, machte darauf aufmerksam, dass nicht nur die eigentliche Sanierung der Burg ansteht. Künftig soll in der Anlage auch wieder eine Gastronomie betrieben werden. Mit Beginn der umfangreichen Bauarbeiten im Jahr 2011 war diese bekanntlich geschlossen worden. Die Gemeinde fiebert schon dem 18. Oktober entgegen, wenn verkündet wird, welches Architekturbüro bei einem Wettbewerb des LBB gewonnen hat. Teil der Konzeptentwicklung der Architekten sollen flexibel nutzbare Veranstaltungsräume sein, die die Tages- und Ausflugsgastronomie ergänzen. Auch Bereiche der Außenanlage sollen für eine gastronomische Bewirtschaftung hergerichtet werden. Zudem soll der Freiraum rund um die Burg mit Garten gestaltet werden, es sollen Parkplätze entstehen, und der Bereich vom Parkplatz aus durch das Torwächterhaus und den äußeren Hof soll eine Besucherführung erhalten – etwa durch Infotafeln oder sonstige Markierungen, wo sich diverse Besonderheiten der Burg wie Torhaus und Kapelle befinden.

Bezüglich der Gastronomie sprach Angela Kaiser-Lahme von einem überregionalen Interesse. „Frankfurt ist nah. Für jemanden von dort ist es attraktiv, hier hinzukommen“, sagte die Expertin und erklärte, dass sie damit eine Klientel meint, für die eine Stunde Fahrt zu einem Ausflugsziel kein Thema darstellt.

Zusätzlich zum gastronomischen Teil soll auch das Trauzimmer wieder hergerichtet werden, damit Trauungen weiterhin möglich sind. Auch ein Raum mit Geschichten zur Burg gehöre zu den weiteren Planungen dazu. Der Umbau ist laut Kaiser-Lahme auch deshalb so umfangreich, weil möglichst viele Bereiche barrierefrei sein sollen. Auch wenn alles so originalgetreu wie möglich saniert wird, bleibt es nicht aus, dass einige zusätzliche Türen angebracht werden, zum Beispiel um Technik zu verstauen, so ein LBB-Vertreter. In einem dezenten Anthrazit gehalten, fallen diese nur auf den zweiten Blick auf. Auch auf Absturzsicherungen könne natürlich ebenso wenig verzichtet werden.

Eine öffentliche Besichtigung der Burg samt Baustellenführung ist für Sonntag, 9. September, am Tag des offenen Denkmals, geplant. Genauere Infos werden noch bekannt gegeben.

RZ Rhein-Lahn-Kreis (Ost) Diez vom Donnerstag, 9. August 2018, Seite 19

 

Jutta Hundhausen vom LBB (links) und Dr. Angela Kaiser-Lahme, Direktorin der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, erklärten bei einer Besichtigung der Baustelle auf der Burg die weitern Baumaßnahmen sowie die neuen Erkenntnisse der bauhistorischen Untersuchungen.Foto: Sabrina Rödder

 

 

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