Ortsgemeinde: Zukunft für ältere Generation gestalten

Seniorenbeirat Ehrenamtliche zeigen Initiative, setzen auf sinnvolle Zusammenarbeit und praktische Hilfe. Von unserer Mitarbeiterin Dagmar Schweickert

Katzenelnbogen. Hoch konzentriert haben 23 Senioren aus dem Rhein-Lahn-Kreis in Katzenelnbogen an der Zukunft ihrer Altersgenossen gearbeitet. Beim Seminar für Seniorenbeiräte, das die Landesseniorenvertretung ausrichtete, stand das strukturierte Arbeiten für die ältere Generation im Mittelpunkt.

„Leider gibt es im gesamten Rhein-Lahn-Kreis bisher nur einen einzigen Seniorenbeirat”, klagte Horst Weller von der Landesseniorenvertretung. Dabei seien die Gremien, die sich ehrenamtlich für die Belange der Senioren einsetzten, unermesslich wichtig. „Wir bezeichnen Seniorenbeiräte gern als Gelenk zwischen den Aktiven, die etwas für die Senioren anbieten, und denjenigen, die das tragen wie die Verbandsgemeindeverwaltungen.” Weller war voll des Lobes über die Verbandsgemeinde Katzenelnbogen. Dort funktioniere das Miteinander des Seniorenbeirats und offizielle Stellen wunderbar.

„Es wäre schön, wenn jede Verbandsgemeinde einen solchen Beirat einrichten könnte”, lautet sein Wunsch. Er deutete an, dass manche Bürgermeister sich dagegen sträuben, eine zentrale Anlaufstelle für ältere Mitbürger in Form eines Beirats anzubieten. „Das geschieht wohl oft aus Unkenntnis, denn Seniorenbeiräte sind nicht unbequem. Der Aufwand ist nicht groß. Alle arbeiten ehrenamtlich, und die Kosten, die durch Einladungen oder Ähnliches entstehen, liegen meist höchstens zwischen 500 und 1000 Euro pro Jahr”, ist seine Erfahrung.

Am Seminar im Haus der Familie Katzenelnbogen beteiligten sich 23 Frauen und Männer aus den Verbandsgemeinden Katzenelnbogen, Diez, Nassau, Hahnstätten und St. Goarshausen. In Gesprächsrunden wurden zentrale Fragen erörtert. Es ging um Möglichkeiten, Initiative zu zeigen, sinnvolle Zusammenarbeit und praktische Hilfe im Alltag.

Nach einiger Zeit ertönte ein Gong, die Zusammensetzung an den Diskussionstischen wechselte, und eine neue Frage kam auf den Tisch. Auf braunem Papier als „Tischdecke” wurde großflächig notiert, was der Generation am Herzen liegt. Seniorengerechte Freizeitangebote, große Schrift, niedrige Bordsteine, kurze Wege – die Vorschläge nahmen kein Ende. Mit Blick auf neue Seniorenbeiräte nahm Weller potenziellen Helfern der Zukunft auch ein wenig Angst: „Wir wissen, dass die neue Generation der Senioren sehr selbstständig und freiheitsliebend ist. Kaum jemand will sich in der Freizeit fest für eine Aufgabe verpflichten.” Das sei völlig in Ordnung, meinte Weller. Chöre seien ein Beispiel dafür: „Alteingesessene Chöre geben oft auf, weil die Menschen nicht mehr regelmäßig proben und auftreten wollen. Aber bei Projektchören, die sich nur für eine gewisse Zeit treffen, ist der Andrang groß.”

Ähnlich sei es auch bei der Arbeit für und mit Senioren. Viele Menschen wollten sich sozial engagieren, dabei sei ihnen aber wichtig, dass sie das Tempo, die Frequenz und die Aufgaben nach eigenem Gusto wählen können. „Wir brauchen also eigentlich nur eine kleine Kadereinheit als Stamm und viele Freiwillige, die je nach Projekt mithelfen.”

Für die Kreise seien Seniorenbeiräte auf jeden Fall ein Gewinn: „Senioren bringen nach einem langen Berufsleben eine hohe Qualifikation mit. Sie können helfen, auf die demografische Entwicklung einzugehen und die Verwaltung unterstützen, bei den älteren Mitbürgern für den Wohlfühleffekt zu sorgen, der nötig ist, damit die Senioren in der Region leben wollen.” Infos unter www.landes seniorenvertretung-rlp.de

Rh.-Lahn-Ztg. Diez vom Freitag, 2. März 2012, Seite 18

Niedrige Bordsteine, große Schrift, seniorengerechte Freizeitangebote und kurze Wege waren unter anderem Wünsche der Älteren. Foto Schweickert

 

Organisation älterer Mitbürger berät, gibt Anregungen und fördert Erfahrungsaustausch

Der Seniorenbeirat ist die Interessenvertretung älterer Menschen. Er berät Organe der Gemeinde, Stadt, Verbandsgemeinde oder des Landkreises in allen Selbstverwaltungsangelegenheiten dieser Einwohner. Der Seniorenbeirat gibt Anregungen an Behörden, Verbände und Organisationen zugunsten älterer Mitbürger. Er fördert den Erfahrungsaustausch, die Meinungsbildung und Koordinierung von Maßnahmen, die Senioren betreffen. In Rheinland-Pfalz gibt es zurzeit 86 Seniorenbeiräte. Der Westerwaldkreis ist nach Angaben der Landesseniorenvertretung der einzige ohne Seniorenbeirat, der Rhein-Lahn-Kreis der einzige mit nur einem Seniorenbeirat.

(Quelle: Landesseniorenvertretung Rheinland-Pfalz)

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Veröffentlichung

Burgschwalbach
Fr, 02. März 2012

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